Tausende Kilo Rucola geliefert, doch die Excel-Datei fehlt: In der Lebensmittelbranche wird nun über die Details von Einkaufsmengen und Preisen gestritten. Es steht zur Debatte, ob ein Zwangsgeld fällig wird, wenn die Informationen zwar vorliegen, aber das Dateiformat nicht den Wünschen der Gegenseite entspricht.
Die Vorlage übersichtlicher Tabellen kann die Erfüllung eines Auskunftsanspruchs bewirken und drohende Zwangsgelder im Vollstreckungsverfahren erfolgreich abwenden. Symbolfoto: KIZum vorliegenden Urteilstext springen: 4 W 3/26
Das Wichtigste im Überblick
Gericht: Oberlandesgericht Zweibrücken
Datum: 18.02.2026
Aktenzeichen: 4 W 3/26
Verfahren: Sofortige Beschwerde gegen Zwangsgeldbeschluss
Rechtsbereiche: Zwangsvollstreckungsrecht
Relevant für: Gläubiger und Schuldner bei gerichtlichen Auskunftspflichten
Das Gericht verneint Zwangsgeld, wenn der Schuldner die titulierte Auskunft durch übersichtliche Tabellen bereits vollständig erfüllt.
Die Schuldnerin wies die wöchentlichen Mengen und Nettopreise für das Produkt Rucola vollständig nach.
Eine Auskunft erfüllt die Pflicht, wenn sie dem genauen Wortlaut des Titels entspricht.
Gläubiger dürfen im Vollstreckungsverfahren keine zusätzlichen Details fordern, die nicht im Urteil stehen.
Eine bestimmte Dateiform wie Excel ist ohne ausdrückliche Erwähnung im Titel nicht rechtlich geschuldet.
Mehrere einzelne Tabellen genügen, solange die Informationen für den Gläubiger ohne großen Arbeitsaufwand erscheinen.
Wann beendet die sofortige Beschwerde das Zwangsgeld?
Zwangsmittel nach § 888 der Zivilprozessordnung (ZPO) dienen der rechtlichen Erzwingung einer sogenannten unvertretbaren Handlung. Das bedeutet konkret: Es geht um Pflichten, die nicht durch einen Dritten, sondern nur vom Schuldner persönlich erfüllt werden können – wie etwa das Erteilen einer Auskunft. Eine gerichtliche Anordnung setzt dabei zwingend voraus, dass die geschuldete Handlung ausschließlich vom Willen der verpflichteten Person abhängt. Gegen die Festsetzung eines solchen Ordnungsmittels ist die sofortige Beschwerde gemäß den §§ 793 und 567 ZPO als Rechtsmittel statthaft.
Handlungshinweis für Betroffene: Wenn das Gericht gegen Sie ein Zwangsgeld festgesetzt hat, müssen Sie schnell reagieren. Die Frist für die sofortige Beschwerde beträgt lediglich zwei Wochen ab Zustellung des Beschlusses.
OLG Zweibrücken stoppt 20.000 Euro Zwangsgeld
Den Ausgangspunkt des Verfahrens bildete ein Beschluss des Landgerichts Frankenthal vom 15.10.2025, mit dem die Richter ein Zwangsgeld in Höhe von 20.000 Euro gegen ein auskunftspflichtiges Unternehmen verhängten (Az. 2 HK O 18/23). Das Gericht stützte den Schritt auf eine vermeintlich unvollständige Datenübergabe über Einkaufsmengen und Einzelpreise für Rucola. Auf die Beschwerde der betroffenen Firma hin hob das Oberlandesgericht Zweibrücken diese Entscheidung am 18.02.2026 vollständig auf und wies den Zwangsgeldantrag zurück (Az. 4 W 3/26).
Genügen Teilauskünfte zur Abwendung eines Zwangsgeldes?
Der juristische Erfüllungseinwand gemäß § 362 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) ist auch im Zwangsvollstreckungsverfahren in vollem Umfang zu berücksichtigen. Hierbei macht der Schuldner geltend, dass er seine Verpflichtung bereits erledigt hat und die Zwangsvollstreckung daher unzulässig ist. Eine Mehrheit von Teilauskünften genügt dabei zur Erfüllung, wenn sie nach dem erklärten Willen der verpflichteten Seite zusammen den geschuldeten Gesamtumfang bilden. Ein bloßer Verdacht auf eine Unrichtigkeit oder eine Unvollständigkeit der vorgelegten Daten rechtfertigt noch kein Zwangsgeld.
So vermeiden Sie das Zwangsgeld: Wenn Sie Auskünfte in mehreren Teilen oder Dokumenten übermitteln, müssen Sie gegenüber dem Gläubiger ausdrücklich erklären, dass diese Informationen in ihrer Gesamtheit Ihre vollständige Auskunft darstellen. Nur diese klare Erklärung bewirkt die rechtliche Erfüllung und schützt Sie vor weiteren Vollstreckungsmaßnahmen.
Erfüllung durch Teilauskünfte
Ob die gestellten Anforderungen in der juristischen Praxis bereits erfüllt waren, prüfte das Oberlandesgericht anhand der eingereichten Dokumente. Das in die Pflicht genommene Unternehmen hatte zwischen Ende Juni und Ende Juli 2025 mehrere Tabellen und Schreiben für die Jahre 2019 bis 2022 übermittelt und darin ausdrücklich erklärt, dass über die dokumentierten Mengen hinaus keine weiteren Rucola-Waren erworben wurden. Das Gericht entschied, dass der titulierte Anspruch damit erfüllt war und der Zwangsgeldbeschluss der Vorinstanz folglich keinen Bestand haben durfte. Ein titulierter Anspruch ist eine Forderung, die bereits durch ein Gericht offiziell in einem vollstreckbaren Dokument (dem Titel) festgestellt wurde.
Jedoch wird das Erfordernis, die Auskunft in der Form eines Verzeichnisses zu erteilen, nicht nur durch die Vorlage eines einzigen lückenlosen Gesamtverzeichnisses erfüllt; vielmehr genügt auch eine Mehrheit von Teilauskünften, vorausgesetzt, dass sie nicht zusammenhanglos nebeneinander stehen, sondern nach dem erklärten Willen des Auskunftsschuldners in ihrer Summierung die Auskunft im geschuldeten Gesamtumfang darstellen. – so das OLG Zweibrücken
Praxis-Hürde: Beweis der Unvollständigkeit
Ein Zwangsgeld lässt sich nicht auf den bloßen Verdacht stützen, dass die Gegenseite Informationen verschweigt. Sobald der Schuldner erklärt, die Auskunft vollständig erteilt zu haben, müssen Sie als Gläubiger konkrete Anhaltspunkte oder Beweise liefern, dass doch noch Daten fehlen. Ohne solche Belege wird das Gericht den Antrag zurückweisen, da die Auskunftspflicht formal als erfüllt gilt.
Nur was explizit im Urteilstenor steht, ist per Zwangsgeld durchsetzbar.
Warum das Zwangsgeld nicht über den Tenor hinausreicht
Maßgeblich für die rechtliche Reichweite einer Vollstreckung ist die genaue Auslegung des zugrundeliegenden Vollstreckungstitels. Auszugehen ist bei der Bewertung primär vom Urteilstenor, während ergänzend die Entscheidungsgründe sowie der Parteivortrag herangezogen werden können. Der Tenor ist der kurze, am Anfang des Urteils stehende Teil, der genau anordnet, wer zu was verurteilt wurde. Materielle Ansprüche, die außerhalb des eigentlichen Titels liegen (also Forderungen, die zwar bestehen könnten, aber im Prozess nicht ausdrücklich entschieden wurden), bleiben im Vollstreckungsverfahren strikt unbeachtlich.
Das Vollstreckungsgericht hat durch Auslegung des Vollstreckungstitels zu ermitteln, welche Verhaltensweisen dieser erfasst. Die Auslegung hat vom Tenor der zu vollstreckenden Entscheidung auszugehen; erforderlichenfalls sind ergänzend die Entscheidungsgründe und unter bestimmten Voraussetzungen auch die Antrags- oder Klagebegründung und der Parteivortrag heranzuziehen. – OLG Zweibrücken
Keine Pflicht zur Detailaufschlüsselung
Die strikte Bindung an den Wortlaut zeigte der Streit um die Detaillierung der eingekauften Rucola-Mengen deutlich. Das fordernde Unternehmen verlangte im Nachgang eine präzise Aufschlüsselung nach 22 verschiedenen Rucola-Artikeln sowie nach einzelnen Vertragspartnern. Das zugrundeliegende Teilurteil des Landgerichts Frankenthal vom 19.03.2024 (ebenfalls Az. 2 HK O 18/23) verpflichtete die Gegenseite jedoch lediglich zu einer Auskunft über das „Produkt Rucola“, aufgeteilt nach „Mitgliedern und Nichtmitgliedern“. Ein Teilurteil entscheidet vorab nur über ein Element der Klage – hier den Auskunftsanspruch –, um die Basis für die spätere Berechnung der eigentlichen Geldforderung zu schaffen. Das Oberlandesgericht urteilte, dass das Verlangen nach weiteren Details nicht vom Titel gedeckt war und sich deshalb auch nicht über ein Zwangsmittel durchsetzen ließ.
Praxis-Hinweis:
Der entscheidende Hebel dieses Urteils war die strikte Bindung an den Wortlaut des Titels. Wenn Sie Informationen erzwingen wollen, die zwar thematisch passen, aber nicht wortwörtlich im Urteilstenor stehen (hier: spezifische Unterartikel statt nur das Hauptprodukt), scheitert das Zwangsgeld. Prüfen Sie vor einem Antrag, ob Ihre Forderung exakt durch den Text des Urteils gedeckt ist – eine nachträgliche Erweiterung oder Präzisierung ist im Vollstreckungsverfahren nicht möglich.
Sind Excel-Tabellen ohne Titel per Zwangsgeld erzwingbar?
Die gewünschte Form der Auskunftserteilung, beispielsweise als eine digitale Tabellenkalkulation, muss im vollstreckbaren Tenor explizit enthalten sein. Ohne eine entsprechende richterliche Anordnung kann eine spezifische Dateiform rechtlich nicht im Wege der Zwangsvollstreckung erzwungen werden. Für die Anforderungen an eine geordnete Auskunft genügt bereits die bloße körperliche Verbindung von mehreren gedruckten Seiten.
Streitpunkt Dateiformat
Dieser formale Aspekt lieferte zusätzlichen Zündstoff, da das fordernde Unternehmen die Daten zur besseren Verarbeitung zwingend im Excel-Format verlangte. Die Zweibrücker Richter stellten allerdings fest, dass die Erteilung als Excel-Datei im vorangegangenen Teilurteil an keiner Stelle gefordert wurde und somit vollstreckungsrechtlich nicht geschuldet war. Die bereits erfolgte Vorlage tabellarischer Aufstellungen pro Gesellschaft und pro Monat wertete der Senat als ausreichend und formgerecht.
Dem Gläubiger ist es verwehrt, im Verfahren der Zwangsvollstreckung allein deshalb Auskünfte zu erzwingen, weil der Schuldner materiell-rechtlich zu deren Erteilung verpflichtet ist. – so das OLG Zweibrücken
Achtung Falle:
Wünschen Sie die Auskunft in einem bestimmten digitalen Format wie Excel, muss dies bereits im ursprünglichen Prozess eingeklagt und im Urteil festgehalten werden. Fehlt eine solche Formvorgabe im Titel, darf der Schuldner die Daten in jeder geordneten Weise (auch als PDF oder Papierliste) liefern. Ein Zwangsgeld zur Erzwingung eines speziellen Dateiformats ist dann rechtlich ausgeschlossen.
Verhindert fehlendes Belegmaterial die Festsetzung von Zwangsgeld?
Eine objektive oder eine subjektive Unmöglichkeit schließt die gerichtliche Anordnung von Zwangsmitteln nach § 888 ZPO kategorisch aus. Das bedeutet: Niemand kann rechtlich dazu gezwungen werden, Informationen herauszugeben, die faktisch nicht mehr existieren oder nie vorhanden waren. Die Justiz darf derartige Instrumente nicht einsetzen, um die Herbeiführung einer Handlung zu erzwingen, die der betroffenen Person faktisch überhaupt nicht mehr möglich ist.
Fehlende Belege für Verpackungskosten
Im Beschwerdeverfahren berief sich die auskunftspflichtige Firma auf ein derartiges Hindernis bei der Aufbereitung der historischen Daten. Das Unternehmen gab an, dass sich die Verpackungskosten für den lang zurückliegenden Zeitraum schlicht nicht mehr ermitteln ließen und bei der verpackten Ware folglich nicht abgezogen werden konnten. Weil die Gegenseite diese Angabe im Prozess unwidersprochen ließ, durfte laut den Richtern kein Zwangsgeld für diese Teilinformation verhängt werden.
Vorgehensweise bei Datenverlust: Falls Sie bestimmte Informationen (wie historische Abrechnungen) faktisch nicht mehr liefern können, müssen Sie dies dem Gläubiger und dem Gericht detailliert darlegen. Sobald Sie die Unmöglichkeit glaubhaft machen und die Gegenseite keine Beweise für das Vorhandensein der Daten liefert, ist ein Zwangsgeld rechtlich unzulässig.
Sind detaillierte Netto-Aufschlüsselungen ohne Urteilstitel geschuldet?
Wenn ein gerichtlicher Titel ausdrücklich einen Nettopreis nach dem Abzug diverser Gebühren verlangt, ist exakt dieser errechnete Endbetrag geschuldet. Eine gesonderte Ausweisung der einzelnen Abzugspositionen muss durch die verpflichtete Partei nur dann erfolgen, wenn dies im Urteilstenor ausdrücklich und unmissverständlich angeordnet wurde.
Keine separate Ausweisung von Abzügen
In der Auseinandersetzung um die endgültigen Summen pochte das fordernde Unternehmen auf die separate Offenlegung von Marktgebühren, Umlagen und Rückvergütungen. Der Tenor des Landgerichts Frankenthal vom Frühjahr 2024 definierte den geschuldeten Preis jedoch als Nettopreis nach dem Abzug exakt dieser Posten. Das Oberlandesgericht stellte in seiner Entscheidung klar, dass eine zusätzliche Nennung der einzelnen Abzüge weit über den ursprünglichen Urteilstext hinausginge und sich im Vollstreckungsverfahren nicht erzwingen ließ.
Fazit: Vollstreckung nur im Rahmen des Wortlauts
Dieses Urteil des Oberlandesgerichts verdeutlicht die strikte Bindung der Zwangsvollstreckung an den Urteilstenor. Die Entscheidung ist für alle Fälle von Auskunftsansprüchen übertragbar: Was nicht ausdrücklich im Titel steht, kann später nicht durch Zwangsgelder „nachgefordert“ werden. Für Leser bedeutet das, dass bereits im ersten Prozess jeder Detailwunsch (wie spezifische Dateiformate oder Netto-Aufschlüsselungen) als eigenständiger Klageantrag formuliert werden muss, da eine spätere Erweiterung im Vollstreckungsverfahren ausgeschlossen ist.
Checkliste: So sichern Sie Ihren Auskunftsanspruch
Prüfen Sie als Gläubiger vor jedem Zwangsgeldantrag, ob die geforderten Details (z. B. Excel-Format oder Unterbelege) exakt so im Urteilstenor stehen. Ist das nicht der Fall, verzichten Sie auf den Antrag, um keine unnötigen Verfahrenskosten zu riskieren. Als Schuldner sollten Sie bei jeder Auskunftserteilung förmlich den Erfüllungseinwand erheben und auf die Bindung an den Wortlaut des Urteils pochen, um unberechtigte Forderungen abzuwehren.
Die Fristen für eine sofortige Beschwerde gegen Zwangsmittel sind mit nur zwei Wochen extrem kurz bemessen. Unsere Rechtsanwälte prüfen für Sie, ob der Vollstreckungstitel die Forderungen überhaupt abdeckt oder ob bereits eine rechtliche Erfüllung eingetreten ist. Wir unterstützen Sie dabei, unberechtigte Zwangsgelder effektiv abzuwenden und Ihre prozessuale Position zu sichern.
Viele Gläubiger fühlen sich schlichtweg provoziert, wenn die Gegenseite nach einem langen Prozess statt einer sauberen Übersicht plötzlich kistenweise unsortierte Papierbelege oder wüste PDF-Konvolute ablädt. Der erste Impuls ist dann oft, sofort ein Zwangsgeld zu beantragen, um eine aufbereitete Liste zu erzwingen. Genau hier schnappt in der Praxis regelmäßig die teure Kostenfalle zu.
Emotionen sind im Vollstreckungsverfahren nämlich ein denkbar schlechter Ratgeber. Wer sich über die Schikane des Schuldners ärgert und vorschnell Zwangsmittel verlangt, zahlt am Ende oft die kompletten Verfahrenskosten, weil Richter das Zettelchaos zähneknirschend als formale Erfüllung abnicken. Ich hake deshalb immer erst die eigene Empörung ab und gleiche dann die unstrukturierte Lieferung stur mit dem nackten Urteilstenor ab.
Darf gegen mich ein Zwangsgeld festgesetzt werden, wenn ich Daten nur in Papierform übermittle?
NEIN. Ein Zwangsgeld wegen einer Übermittlung in Papierform ist unzulässig, sofern der gerichtliche Titel nicht ausdrücklich ein digitales Format vorschreibt. Ohne eine solche explizite Anordnung im Urteilstenor darf das Vollstreckungsgericht keine zusätzlichen formalen Anforderungen an die Art der Datenübergabe stellen.
Die rechtliche Grundlage hierfür ist die strikte Bindung der Zwangsvollstreckung an den Inhalt des Titels, der die Reichweite der Verpflichtung des Schuldners abschließend definiert. Für die Erfüllung einer Auskunftspflicht genügt nach geltendem Recht bereits eine geordnete Zusammenstellung von Informationen, was auch durch die körperliche Verbindung gedruckter Seiten rechtssicher erreicht werden kann. Gläubiger haben keinen Anspruch auf eine digitale Aufbereitung wie etwa eine Excel-Tabelle, wenn sie dies nicht bereits im ursprünglichen Prozess erfolgreich als eigenständigen Formanspruch geltend gemacht haben. Da das Zwangsgeld lediglich der Erzwingung des titulierten Inhalts dient, darf die Verweigerung eines digitalen Formats bei gleichzeitiger Vorlage lückenloser Papierdokumente nicht sanktioniert werden.
Eine Ausnahme greift nur, wenn im Urteil bereits explizite Zusätze wie „in digitaler Form“ oder „als elektronisch verarbeitbare Datei“ enthalten sind, wodurch das Format selbst zur vollstreckbaren Pflicht wird. In allen anderen Fällen bleibt die Wahl des Mediums dem Schuldner überlassen, sofern die inhaltliche Vollständigkeit und die notwendige Übersichtlichkeit der erteilten Auskunft gewahrt bleiben.
Verliere ich den Zwangsgeld-Streit, wenn die Gegenseite meine Auskunft einfach als unvollständig behauptet?
NEIN. Sobald Sie die Vollständigkeit Ihrer Auskunft erklärt haben, trägt der Gläubiger die Beweislast für tatsächlich fehlende Datenpunkte. Ein bloßer Verdacht oder eine pauschale Behauptung der Gegenseite reicht rechtlich nicht aus, um ein Zwangsgeld festzusetzen.
Die rechtliche Grundlage für diesen Schutz bildet der Erfüllungseinwand, welcher auch im Zwangsvollstreckungsverfahren gemäß § 888 ZPO zwingend zu berücksichtigen ist. Wenn Sie dem Gericht glaubhaft versichern, dass die vorgelegten Dokumente Ihre gesamte Auskunft darstellen, gilt Ihre Verpflichtung formal als erledigt. Die Gegenseite gerät daraufhin in die Pflicht, dem Vollstreckungsgericht substantiierte Anhaltspunkte zu liefern, warum Ihre Angaben dennoch unvollständig sein sollen. Kann der Gläubiger keine konkreten Beweise für das Vorhandensein weiterer Daten vorlegen, darf das Gericht kein Ordnungsmittel verhängen. Diese Verteilung der Beweislast verhindert, dass Schuldner durch haltlose Vorwürfe oder Ausforschungsanträge der Gegenseite unbegrenzt unter Druck gesetzt werden.
Eine Ausnahme besteht lediglich dann, wenn die erteilte Auskunft in sich so offensichtlich widersprüchlich oder unvollständig ist, dass sie keine taugliche Erfüllungshandlung darstellt. In einem solchen Fall kann das Gericht trotz Ihrer Vollständigkeitserklärung ein Zwangsgeld verhängen, sofern die Mängel der Auskunft unmittelbar aus den vorgelegten Unterlagen selbst ersichtlich sind.
Muss ich bei Teilauskünften ausdrücklich erklären, dass meine Informationen nun in ihrer Gesamtheit vollständig sind?
JA. Sie müssen gegenüber dem Gläubiger ausdrücklich erklären, dass die übermittelten Teilauskünfte in ihrer Gesamtheit Ihre vollständige Auskunft darstellen. Ohne diese abschließende Erklärung tritt die rechtliche Erfüllungswirkung nicht ein, da die übermittelten Informationsteile sonst lediglich als rechtlich unzusammenhängende Fragmente gewertet werden.
Nach der Rechtsprechung des Oberlandesgerichts Zweibrücken genügt eine Mehrheit von Teilauskünften zwar grundsätzlich zur Erfüllung des Anspruchs gemäß § 362 Abs. 1 BGB. Diese Wirkung setzt jedoch zwingend voraus, dass die einzelnen Informationen nach dem erklärten Willen des Schuldners eine in ihrer Summierung geschuldete Gesamtauskunft bilden. Ohne eine solche formelle Klammer bleibt die Auskunft rechtlich unfertig und bietet dem Gläubiger weiterhin die prozessuale Möglichkeit, Zwangsmittel zur Erzwingung der Handlung zu beantragen. Erst die finale Vollständigkeitserklärung schafft die notwendige Rechtssicherheit, um ein drohendes Zwangsgeld wegen einer vermeintlich unvollständigen oder verzögerten Auskunftserteilung effektiv abzuwehren.
Eine bloße Übersendung von Dokumenten ohne begleitende Klarstellung reicht rechtlich nicht aus, da der Gläubiger nicht selbst beurteilen muss, ob noch weitere Unterlagen nachgereicht werden. Um unnötige Vollstreckungsrisiken zu vermeiden, sollten Sie daher alle vorangegangenen Teilsendungen in einem abschließenden Schreiben zusammenfassen und formell als Erfüllung Ihrer gesamten Auskunftspflicht definieren.
Was kann ich tun, wenn ich zur Auskunft verurteilt wurde, aber die Belege faktisch nicht mehr existieren?
Legen Sie dem Gericht detailliert dar, warum die Belege unwiederbringlich verloren sind, da bei nachgewiesener Unmöglichkeit kein Zwangsgeld mehr verhängt werden darf. Zwangsmittel dienen nach der Zivilprozessordnung ausschließlich der Willensbeugung und sind bei faktischer Unerfüllbarkeit einer Auskunftspflicht rechtlich unzulässig.
Gemäß § 888 ZPO darf ein Zwangsgeld niemals zur Erzwingung einer Handlung eingesetzt werden, die faktisch nicht mehr vorgenommen werden kann, da dies den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verletzen würde. In der juristischen Praxis müssen Sie den konkreten Grund für den Datenverlust, wie etwa abgelaufene Aufbewahrungsfristen, einen Archivbrand oder eine endgültige Systemlöschung, präzise und für Dritte nachvollziehbar schildern. Solange Ihre detaillierten Angaben vom Gläubiger nicht durch konkrete Beweise für das Vorhandensein der Unterlagen widerlegt werden können, darf das Vollstreckungsgericht keine weiteren Ordnungsmittel gegen Sie festsetzen. Suchen Sie daher frühzeitig nach schriftlichen Bestätigungen von IT-Dienstleistern oder internen Löschprotokollen, um Ihre Argumentation im Verfahren der sofortigen Beschwerde rechtssicher zu untermauern.
Falls der Gläubiger begründete Zweifel an Ihrer Darstellung anmeldet, kann er von Ihnen die Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung über den Verbleib der Unterlagen gemäß § 259 BGB fordern. Damit endet zwar das Zwangsgeldverfahren, doch Sie müssen die Richtigkeit Ihrer Angaben zur Unmöglichkeit unter Strafandrohung förmlich gegenüber dem Gericht bekräftigen.
Wie stelle ich sicher, dass ich Informationen in einem bestimmten digitalen Format wie Excel erhalte?
Um Auskünfte im Excel-Format zu erzwingen, müssen Sie dieses spezifische Format bereits im Klageantrag fordern und in den Urteilstenor aufnehmen lassen. Eine nachträgliche Präzisierung des Dateiformats während der Zwangsvollstreckung ist wegen der strikten Bindung an den Titel rechtlich grundsätzlich ausgeschlossen.
Das Vollstreckungsgericht ist gemäß der Zivilprozessordnung strikt an den genauen Wortlaut des Titels gebunden und darf diesen weder eigenmächtig erweitern noch materiell-rechtlich sinnvoll ergänzen. Wenn im Urteil lediglich eine allgemeine Auskunftspflicht ohne Formvorgabe tituliert wurde, steht dem Schuldner nach dem Grundsatz der Erfüllung (§ 362 BGB) ein Wahlrecht bezüglich der Art der Übermittlung zu. Er kann die Daten dann beispielsweise auch als ausgedruckte Listen oder statische PDF-Dokumente zur Verfügung stellen, sofern diese in einer geordneten und nachvollziehbaren Weise aufbereitet sind. Da die Wahl des Dateiformats als wesentlicher Bestandteil des materiellen Anspruchs gewertet wird, führt eine ungenaue Titulierung dazu, dass der Gläubiger die technische Aufbereitung der Daten nicht nachträglich einseitig vorschreiben darf.
Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn sich die Verpflichtung zur Herausgabe in einem bestimmten Format bereits durch Auslegung aus den Entscheidungsgründen oder dem zugrunde liegenden Parteivortrag zweifelsfrei ergibt. Da Vollstreckungsorgane jedoch meist eine rein formale Betrachtung bevorzugen, bietet nur die explizite Nennung im Tenor die notwendige Sicherheit für eine spätere Erzwingung mittels Zwangsgeld.
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Das vorliegende Urteil
OLG Zweibrücken – Az.: 4 W 3/26 – Urteil vom 18.02.2026
* Der vollständige Urteilstext wurde ausgeblendet, um die Lesbarkeit dieses Artikels zu verbessern. Klicken Sie auf den folgenden Link, um den vollständigen Text einzublenden.→ Lesen Sie hier den vollständigen Urteilstext…
1. Auf die sofortige Beschwerde der Schuldnerin wird der Beschluss des Landgerichts Frankenthal (Pfalz) vom 15.10.2025, Az. 2 HK O 18/23, abgeändert:
Der Antrag der Gläubigerin auf Anordnung des Zwangsgeldes wird zurückgewiesen.
2. Die Gläubigerin trägt die Kosten des Verfahrens.
3. Die Rechtsbeschwerde wird nicht zugelassen.
Gründe
I.
Im Verfahren 2 HK O 18/23 verurteilte die KfH des Landgerichts Frankenthal die Beklagte und Schuldnerin mit Teilurteil vom 19.03.2024,
der Klägerin Auskunft zu erteilen über die seitens der Beklagten sowie deren Tochtergesellschaften, (Beklagte und Tochtergesellschaften sind separat auszuweisen) jeweils angekauften Mengen und die entsprechend bezahlten Einzelpreise (an die Lieferanten oder Erzeuger bezahlter Nettopreis, d.h. nach Abzug von Marktgebühren, Umlagen, Rückvergütungen und sonstiger Abzüge) des Produkts Rucola, nach Wochen aufgegliedert, für die Jahre 2019, 2020, 2021 und 2022, weiter aufgegliedert nach Mitgliedern und Nichtmitgliedern der Beklagten
und erklärte das Urteil gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 10.000,00 € für vorläufig vollstreckbar. Dabei wird auf Seite 10 des Urteils ausgeführt: „Ebenso wird auch nicht verlangt, dass Marktgebühren, Umlagen etc. offengelegt werden, mit denen die Beklagte kalkuliert. Die Klägerin möchte nur abstrakt die wöchentlichen Mengen und die Ankaufspreise wissen, aufgeschlüsselt nach Mitgliedern und Nichtmitgliedern“ (vgl. Bl. 612 eA I 2 HK O 18/23).
Die Gläubigerin hinterlegte die Sicherheitsleistung in Höhe von 10.000,00 € beim Amtsgericht Frankenthal und setzte der Schuldnerin mit Schreiben vom 06.06.2025 eine Frist zur Erteilung der Auskunft bis zum 20.06.2025. Mit Schreiben vom 27.06.2025 und vom 05.07.2025 übersandte die Schuldnerin Informationen für das Jahr 2019, mit Schreiben vom 11.07.2025 und 18.07.2025 Informationen für die Jahre 2020-2022, mit Schreiben vom 24.07.2025 Informationen betreffend die P… GmbH für die Jahre 2019, 2020, 2021 und 2022 und mit Schreiben vom 29.07.2025 Informationen betreffend die P… GmbH, die P… GmbH und die D… GmbH jeweils für die Jahre 2019, 2020, 2021 und 2022 sowie der P… GmbH für das Jahr 2019. Dabei teilte sie mit, dass der Anteil der Verpackungskosten am Gesamtpreis nicht mehr ermittelbar sei und aus diesem Grund, soweit verpackte Ware betroffen sei, nicht in Abzug gebracht worden sei. Zudem teilte sie mit, dass keine Abzüge vorgenommen worden seien, soweit die P… eG nicht sicher wisse, ob Marktgebühren, Umlagen und/oder Rückvergütungen in Abzug gebracht worden seien. Im Übrigen seien die gestaffelt und damit je Mitglied unterschiedlich anfallenden Marktgebühren und Betriebsfondsbeiträge abgezogen. Sie teilte zudem mit, dass darüber hinaus keine Mengen erworben worden seien. Mit Schreiben vom 27.06.2025 kündigte die Gläubigerin ihre Mitgliedschaft bei der Schuldnerin zum 31.12.2025.
Die Gläubigerin ist der Auffassung, die übersandten Unterlagen seien nicht ausreichend zur Erteilung der tenorierten Auskunft. Die zusammengefasste Darstellung sämtlicher Mitglieder bzw. Nichtmitgliedern, die Angabe der von diesen insgesamt bezogene Menge (ohne Aufteilung auf Einzelprodukte) sowie des hierfür insgesamt gezahlten Geldbetrags erfülle nicht die Voraussetzung der Angabe der „Einzelpreise“. Einzelpreise seien keine wochenweise kumulierten Preise. Die Aufteilung nach Kalenderwochen sei nicht geeignet, dem Begriff „Einzelpreis“ eine andere Bedeutung zu verleihen. Dies bedeute lediglich, dass die Einzelpreise nicht taggenau, sondern innerhalb einer Woche angegeben werden müssen. Für die Gläubigerin müsse anhand der Einzelpreise ermittelbar sein, was sie selbst für die jeweilige Ware an Einzelpreisen hätte erlangen können. Die Schuldnerin habe jedem Mitglied bzw. Nichtmitglied eine eindeutige und konstante anonyme Bezeichnung zuzuweisen. Es sei zwischen den verschiedenen Varianten von Rucola-Produkten und den jeweiligen Mengen (Kolli, Stück oder Kilogramm) zu differenzieren und hierzu jeweils die Einzelpreise anzugeben. Nur so könne die Gläubigerin einen Schadensersatzanspruch berechnen. Die Marktgebühren, Betriebsfondbeiträge, andere Gebühren, Boni oder Entgelte bzw. Abzüge, die sich auf die Ermittlung des Nettopreises auswirken, seien separat bei der jeweiligen Einzelposition anzugeben. Dabei müsse die Auskunft im Excelformat zur Verfügung gestellt werden.
Mit Schriftsatz vom 17.07.2025 hat die Gläubigerin beantragt,
gegen die Schuldnerin ein Zwangsgeld anzuordnen.
Die Schuldnerin hat beantragt,
den Antrag auf Anordnung eines Zwangsgeldes zurückzuweisen.
Sie ist der Auffassung, die Auskunft entspreche dem Inhalt des Tenors. Soweit die Gläubigerin nun erkenne, dass sie mit der begehrten Auskunft nichts anfangen könne, sei es unzulässig, den von ihr selbst formulierten Klageantrag im Vollstreckungsverfahren nachzujustieren. Mit der nach dem Tenor wochenweise zu erteilenden Auskunft seien die Einkaufsmengen und hierfür gezahlten Einzelpreise -wie erfolgt- je Kalenderwoche zu kumulieren. Auch die geforderte Aufgliederung nach Mitgliedern und Nichtmitgliedern verlange lediglich eine Aufteilung in zwei Gruppen, nicht jedoch eine Unterteilung je Verkäufer. Gegenstand der Auskunft sei dabei „das Produkt Rucola“, nicht jedoch einzelne Rucolaartikel. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Gläubigerin bekannt sei, dass die Schuldnerin das Produkt Rucola in verschiedenen Formen (unverpackt und in verschiedenen Verpackungsformen) bezieht. Nach der im Tenor selbst enthaltenen Definition für den Begriff „Einzelpreise“ seien die Marktgebühren, Umlagen, Rückvergütungen und sonstigen Abzüge gerade nicht zu nennen und auszuweisen, sondern vorher in Abzug zu bringen. Dies ergebe sich auch aus der Urteilsbegründung, wonach „nicht verlangt [werde], dass Marktgebühren, Umlagen etc. offengelegt werden, mit denen die Beklagte kalkuliert. Die Klägerin möchte nur abstrakt die wöchentlichen Mengen und die Ankaufspreise wissen, aufgeschlüsselt nach Mitgliedern und Nichtmitgliedern […].“ Die Bereitstellung einer Excel-Datei sei weder nach dem Tenor noch materiell geschuldet. Schließlich habe die Gläubigerin ihren Auskunftsanspruch durch die Kündigung ihrer Mitgliedschaft verwirkt. Zudem sei die weitere Zwangsvollstreckung aus dem Urteil gemäß § 767 ZPO auch in ihrer Gesamtheit für unzulässig zu erklären.
Die KfH des Landgerichts Frankenthal hat mit Beschluss vom 15.10.2025, der Schuldnerin zugestellt am 10.11.2025, gegen die Schuldnerin ein Zwangsgeld von 20.000,00 € angeordnet, ersatzweise für den Fall, dass dieses nicht beigetrieben werden kann, für je 500,00 € ein Tag Zwangshaft. Die Kammer hat ausgeführt, die Schuldnerin habe die geforderten Einzelpreise nicht genannt. Dass die Einzelpreise wochenweise zu nennen seien, impliziere nicht, dass wochenweise Mischpreise zu nennen seien. Eine Kumulierung der Preise entspreche nicht dem Tenor. Dieser beinhalte auch, dass nach den einzelnen Mitgliedern und Nichtmitgliedern zu unterscheiden sei. Zudem sei die erteilte Auskunft unübersichtlich. Die Auskunft sei durch Vorlage eines einzigen Verzeichnisses zu erteilen. Die Verteilung auf mehrere Anlagen und Schriftsätze, in denen Einschränkungen enthalten seien, genüge dem nicht.
Hiergegen richtet sich die am 21.11.2024 beim Landgericht eingelegte Beschwerde der Schuldnerin. Sie wiederholt und vertieft ihr Vorbringen und ist der Auffassung, es fehle mangels hinreichend bestimmten Titels bereits an den allgemeinen Vollstreckungsvoraussetzungen. Die Auskunft sei auch nicht unübersichtlich. Da die Auskunft für vier verschiedene Jahre und sechs unterschiedliche Gesellschaften verlangt werde, sei eine Zusammenführung der Auskunft in einem Dokument unübersichtlicher als die erfolgte Aufgliederung. In den Begleitschreiben seien Einschränkungen der tenorierten Auskunft nicht enthalten, sondern lediglich überobligatorisch erteilte Informationen rein deskriptiver Natur. Soweit das Landgericht nunmehr zum Ausdruck bringe, dass das Teilurteil die Schuldnerin zur Mitteilung jeder einzelnen Verkaufstransaktion verpflichten sollte, sei dies im Tenor nicht erkennbar. Sofern der Tenor jede Transaktion erfassen sollte, erschließt sich nicht, warum gleichzeitig nur von „angekauften Mengen“ statt von „Einzelmengen“ gesprochen werde. Der Begriff „Menge“ bringe gerade zum Ausdruck, dass eine Summe zu bilden sei. Zudem erschließe sich im Falle einer Verpflichtung zur Auskunft über jede einzelne Transaktion nicht die im Tenor geforderte Aufgliederung nach Wochen. Schließlich sei der Tenor im Hinblick auf mehr als 22 verschiedene Rucolaartikel zu unbestimmt, soweit er sich allgemein auf „das Produkt Rucola“ beziehe. Eine Aufgliederung nach jedem einzelnen Rucolaartikel und jedem einzelnen Vertragspartner hätte im Tenor deutlich formuliert werden müssen. Jedenfalls habe das Landgericht das Zwangsgeld zu hoch bemessen.
Sie beantragt,
den Beschluss des Landgerichts Frankenthal (Pfalz) vom 15.10.2025 (Az.: 2 HK O 18/23), zugestellt am 10.11.2025, aufzuheben und den Antrag der Klägerin und Gläubigerin vom 17.07.2025 auf Anordnung eines Zwangsgeldes zurückzuweisen.
Die Gläubigerin beantragt,
die sofortige Beschwerde gegen den Beschluss des Landgerichts Frankenthal (Pfalz) vom 15. Oktober 2025, Az. 2 HK O 18/23, zurückzuweisen.
Sie wiederholt und vertieft ihr Vorbringen und führt aus, die Mitteilung, in welchen Zeiträumen kein Rucola bezogen worden sei, finde sich lediglich als unzulässige Einschränkung in den Begleitschreiben und nicht wie gefordert konkret bezogen auf einen bestimmten Einzelpreis. Die Aufteilung nach Wochen beinhalte keine Vorgabe zur Kumulierung, sondern lediglich die Art und Weise der Systematik der Darstellung. Gerade dass die Schuldnerin mit verschiedenen Rucolaartikeln handele, unterstreiche die Notwendigkeit der Ausweisung des jeweiligen Einzelpreises.
Mit Nichtabhilfebeschluss vom 06.01.2026 hat die KfH des Landgerichts Frankenthal der sofortigen Beschwerde nicht abgeholfen und diese dem Senat zur Entscheidung vorgelegt.
II.
Die nach §§ 793, 567 ZPO statthafte und gemäß § 569 Abs. 1 und 2 ZPO form- und fristgerecht eingelegte sofortige Beschwerde ist begründet.
Der von der Gläubigerin zur Erzwingung der tenorierten Auskunft als im persönlichen Wissen der Schuldnerin stehenden unvertretbaren Handlung (BGH, Beschluss vom 3. 7. 2008 – I ZB 87/06, NJW 2008, S. 2919 (2920); BGH, Beschl. v. 5.3.2015 – I ZB 74/14, GRUR 2015, S. 1248 (1249)) begehrten Festsetzung eines Zwangsgeldes nach § 888 ZPO steht der Erfüllungseinwand der Schuldnerin nach § 362 Abs. 1 BGB entgegen.
1. Die Schuldnerin ist nicht nur im Verfahren der Vollstreckungsabwehrklage nach § 767 ZPO, sondern auch in den Zwangsvollstreckungsverfahren nach §§ 887, 888 ZPO mit ihrem Einwand zu hören, der vollstreckbare Anspruch sei erfüllt (vgl. BGH, Beschluss vom 7. März 2024 – I ZB 40/23, ZEV 2024, S. 378 (380); BGH, Beschluss vom 5. November 2004 – IXa ZB 32/04, NJW 2005, S. 367 (369)). Mit der Übersendung der aus den Anlagen in tabellarischer Form ersichtlichen Informationen zu den auf das Produkt Rucola bezogenen wöchentlichen Einkaufsmengen der jeweiligen Gesellschaft von den Gruppen „Mitglieder“ und „Nichtmitglieder“ nebst Angabe des auf die wöchentliche Menge bezogenen Nettopreises, sowie der Auskunft, dass ein darüber hinausgehender Ankauf von Rucolaprodukten nicht erfolgt ist, hat die Schuldnerin die im Teilurteil vom 19.03.2024 tenorierte Auskunft erbracht. Eine darüber hinausgehende Verpflichtung zur Auskunft hinsichtlich der Gläubigerseits geforderten Unterteilung nach einzelnen Rucolaartikeln und einzelnen Vertragspartnern, Ausweisung von Marktgebühren, Umlagen, Rückvergütungen und sonstigen Abzügen und Übersendung in einer Excel-Datei ist von dem Teilurteil vom 19.03.2024 nicht erfasst.
2. Das Vollstreckungsgericht hat durch Auslegung des Vollstreckungstitels zu ermitteln, welche Verhaltensweisen dieser erfasst. Die Auslegung hat vom Tenor der zu vollstreckenden Entscheidung auszugehen; erforderlichenfalls sind ergänzend die Entscheidungsgründe und unter bestimmten Voraussetzungen auch die Antrags- oder Klagebegründung und der Parteivortrag heranzuziehen. Umstände, die außerhalb des Titels liegen, sind bei der Auslegung wegen der Formalisierung des Vollstreckungsverfahrens grundsätzlich nicht zu berücksichtigen. Insbesondere ist es ohne Bedeutung, welche sachlich-rechtlichen Ansprüche dem Gläubiger zustehen. Dem Gläubiger ist es verwehrt, im Verfahren der Zwangsvollstreckung allein deshalb Auskünfte zu erzwingen, weil der Schuldner materiell-rechtlich zu deren Erteilung verpflichtet ist. Andererseits ist es aber auch dem Schuldner versagt, die Erfüllung der titulierten Auskunftspflicht mit der Begründung zu verweigern, er sei materiell-rechtlich zur Auskunftserteilung nicht verpflichtet. Das Prozessgericht, das als zuständiges Vollstreckungsorgan über eine Zwangsvollstreckungsmaßnahme aus einem Titel entscheidet, den es selbst erlassen hat, kann bei der Auslegung des Titels allerdings sein Wissen aus dem Erkenntnisverfahren mit heranziehen und damit Umstände berücksichtigen, die außerhalb des Titels liegen. Für die Auslegung des Vollstreckungstitels durch das Beschwerdegericht, das über die sofortige Beschwerde gegen eine Zwangsvollstreckungsmaßnahme aus einem Titel entscheidet, den das Prozessgericht des ersten Rechtszugs erlassen hat, gelten diese Grundsätze entsprechend (BGH, Beschl. v. 5.3.2015 – I ZB 74/14, GRUR 2015, S. 1248 (1249); BGH, Beschluss vom 07.11.2024, I ZB 31/24, WM 2025, S. 42 (44); BGH, Beschluss vom 7. März 2024 – I ZB 40/23, WM 2024, 743 (748)).
3. Nach diesen Maßstäben ergibt die Auslegung des zu vollstreckenden Urteils die gläubigerseits geforderte weitere Untergliederung der bereits erteilten Auskünfte nicht.
a. Hinsichtlich der geforderten separaten Ausweisung von Marktgebühren, Umlagen, Rückvergütungen und sonstiger Abzüge definiert der Tenor des Teilurteils den anzugebenden Preis als „Nettopreis, d.h. nach Abzug von Marktgebühren, Umlagen, Rückvergütungen und sonstiger Abzüge“. Die Wortwahl „nach Abzug“ lässt dabei klar erkennen, dass lediglich der Preis anzugeben ist, der sich ohne die genannten Posten ergibt. Wären diese zusätzlich separat anzugeben, wäre der Nettopreis zuzüglich dieser separat auszuweisenden Posten anzugeben. Dies ist nicht tenoriert. Aus den Entscheidungsgründen des Vollstreckungstitels und der Klagebegründung ergibt sich nichts anderes. Vielmehr wird im Rahmen der Entscheidungsgründe des Teilurteils vom 19.03.2024 auf Seite 10 zur Verneinung etwaiger befürchteter Vertragsverletzungen und Wettbewerbsverstöße ausdrücklich ausgeführt: „Nachdem nur der Nettopreis beim Ankauf von den Erzeugern angegeben werden soll, werden auch keine geschäftlichen Interna offenbart, die den Weiterverkauf an den LEH beinhalten. Ebenso wird auch nicht verlangt, dass Marktgebühren, Umlagen etc. offengelegt werden, mit denen die Beklagte kalkuliert“. Im Falle der nunmehr geforderten separaten Ausweisung der Abzüge würde jedoch genau diese Offenlegung erfolgen. Dass die Schuldnerin in ihren Begleitschreiben überobligatorisch darauf hinweist, welche Abzüge vorgenommen wurden und wie diese gestaltet sind, führt nicht zu einer Ausweitung ihrer sich aus dem Tenor ergebenden Verpflichtung.
b. Die geforderte Angabe einzelner Ankäufe innerhalb der Gruppen von Mitgliedern und Nichtmitgliedern ergibt sich aus dem Tenor bei einer Gesamtschau der Formulierung ebenfalls nicht. Bereits bei isolierter Betrachtung ist die Wortwahl „aufgliedern“ im sprachlichen Zugriff als Aufteilung eines Ganzen nach bestimmten Gesichtspunkten zu verstehen. Die Aufgliederung geht somit von einer Menge aus, die in Untergruppen unterteilt wird. Soweit nunmehr im Ausgangspunkt die Angabe einzelner Ankäufe gefordert wird, würde es sich demgegenüber um eine Zuordnung eines Teils zu einer übergeordneten Gruppe (Nichtmitglieder und Mitglieder) handeln. Dies findet sich sprachlich im Tenor nicht wieder. Dies wird bestätigt durch den Gesamtzusammenhang des Tenors. Die Schuldnerin wird im Ausgangspunkt zur Auskunft über „angekaufte Mengen“ verurteilt. Die jeweils geforderten Aufgliederungen werden sodann explizit genannt. Da die Wortwahl „Menge“ bereits eine Zusammenfassung impliziert, sind die sodann erfolgenden Aufgliederungen als abschließend zu betrachten. Die Unterteilung einer „Menge“ in Mitglieder und Nichtmitglieder legt dabei eine Zusammenfassung der Mitglieder und Nichtmitglieder zu jeweils einer Gruppe sprachlich nahe. Dabei ist systematisch insbesondere zu berücksichtigen, dass im Hinblick auf die Unterteilung der Auskunft zwischen der Schuldnerin und deren Tochtergesellschaften explizit ausgeführt ist, dass diese „separat auszuweisen“ sind. Gerade ein solcher Zusatz fehlt im Hinblick auf „Mitglieder und Nichtmitglieder“. Sofern jeder einzelne Ankauf und damit jeder Vertragspartner einzeln -wenn auch anonymisiert- auszuweisen wäre, läge es umgekehrt sprachlich nahe, als Ausgangspunkt die Auskunft über jeden einzelnen Ankauf zu wählen und lediglich die zusätzliche Benennung als Mitglied oder Nichtmitglied zu fordern statt zur Auskunft einer lediglich nach Untergruppen aufzugliedernden Menge zu verpflichten.
c. Dasselbe gilt für die mit der „Aufgliederung nach Wochen“ implizierte Zusammenfassung der pro Woche angekauften „Mengen“. Dies wird durch die Urteilsgründe bestätigt, in denen von „wöchentlichen Mengen“ gesprochen wird. Insbesondere erschließt sich umgekehrt im Falle der Verpflichtung zur Benennung jedes einzelnen Ankaufs, der jeweils zu einem bestimmten Datum erfolgt ist, der Zweck und die Grundlage einer Zuordnung zu einzelnen Wochen nicht. Soweit die Gläubigerin der Auffassung ist, die Aufgliederung nach Wochen betreffe lediglich die Art und Weise der Systematik der Darstellung, ist hiergegen anzuführen, dass ihr im Falle der Benennung jeglicher Transaktion kein Anspruch auf eine konkrete Form der Darstellung zustünde und Ausführungen in den Entscheidungsgründen zu einer solchen möglichen Vorgabe im Hinblick auf die Darstellungsform fehlen.
d. Auch die Formulierung „des Produkts Rucola“ lässt die nunmehr geforderte Aufteilung nach einzelnen Rucolaartikeln vermissen. Eine solche Aufteilung nach einzelnen Artikeln, die auch in der Urteils- oder Klagebegründung keinerlei Erwähnung finden, kann ohne entsprechende Anhaltspunkte in die Angabe eines Oberbegriffs nicht hineingelesen werden.
e. Dieser Auslegung steht die Formulierung „Einzelpreis“ nicht entgegen. Da die Wortwahl „Aufgliederung“ und der Aufbau des Tenors (die Auskunft über eine „Menge“ als Ausgangspunkt mit Aufgliederung und damit Unterteilung in Untergruppen) in seiner Gesamtschau, bestätigt durch die Formulierung der Entscheidungsgründe („wöchentlichen Mengen“), für eine Zusammenfassung der einzelnen Ankäufe innerhalb der Untergruppen spricht, kommt der Wortwahl „Einzelpreis“ keine einer solchen Zusammenfassung hinreichend deutlich entgegenstehende Bedeutung zu. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass die hierzu angeführte Definition („an die Lieferanten oder Erzeuger bezahlter Nettopreis“) selbst keine explizite Einschränkung auf die jeweiligen Ankäufe enthält.
f. Soweit die Gläubigerin moniert, die Beklagte habe in ihren Begleitschreiben mitgeteilt, dass Verpackungskosten nicht abgezogen worden seien, da diese nicht mehr zu ermitteln seien, kann auch diesbezüglich eine weitere Auskunft nicht gefordert werden. Da die Verhängung von Zwangsmitteln nach § 888 Abs. 1 Satz 1 ZPO voraussetzt, dass eine Handlung erzwungen werden soll, die ausschließlich vom Willen des Schuldners abhängt, schließt die objektive oder subjektive Unmöglichkeit der Handlung die Anordnung eines Zwangsmittels aus (BGH Beschluss vom 23.9.2021 – I ZB 20/21, NJW 2022, S. 393 (397)). Vorliegend hat die Schuldnerin unbestritten ausgeführt, dass ihr die Vornahme der Auskunft im Hinblick auf den geforderten Abzug von Verpackungsmaterial unmöglich ist. Eine Beeinträchtigung der Interessen der Gläubigerin aufgrund eines -unterstellt- zu hoch mitgeteilten Nettopreises ist nicht ersichtlich.
g. Die Auskunft ist auch ordnungsgemäß erfolgt. Erforderlich ist eine systematische, in sich geschlossene Zusammenstellung der erforderlichen Angaben. An einer solchen Aufstellung fehlt es, wenn der Verpflichtete nur eine Reihe von Belegen vorlegt oder über mehrere Schriftsätze verteilt Einzelauskünfte gibt, ohne diese „zu einem geschlossenen Werk zusammen zu fügen” (OLG Hamm NJOZ 2006, 1372 (1373)). Jedoch wird das Erfordernis, die Auskunft in der Form eines Verzeichnisses zu erteilen, nicht nur durch die Vorlage eines einzigen lückenlosen Gesamtverzeichnisses erfüllt; vielmehr genügt auch eine Mehrheit von Teilauskünften, vorausgesetzt, dass sie nicht zusammenhanglos nebeneinander stehen, sondern nach dem erklärten Willen des Auskunftsschuldners in ihrer Summierung die Auskunft im geschuldeten Gesamtumfang darstellen (BGH, Beschluss vom 06.06.1962 – V ZR 45/61, BeckRS 1962, 105029; BGH, Beschluss vom 22.10.2014 – XII ZB 385/13, NJW 2014, S. 3647 (3648)). Eben dies ist hier erfolgt. Die Schuldnerin hat für jede Gesellschaft und jeden Monat eine tabellarische Aufstellung vorgelegt, anhand derer die Daten ohne Arbeitsaufwand ersichtlich sind. Soweit aufgrund der jeweiligen Bearbeitungszeit die Vorlage der einzelnen Tabellen sukzessive erfolgte, erfordert die Zusammenstellung eines „in sich geschlossenen Werkes“ lediglich die körperliche Verbindung der vorgelegten Seiten, deren jeweilige Übersichtlichkeit nicht in Zweifel steht. Dies im Wege der Zwangsgeldfestsetzung durchzusetzen liefe auf eine unnötige Förmelei (OLG Hamm NJOZ 2006, 1372 (1373)) hinaus. Dass die Angabe der Schuldnerin, dass es über die vorgelegten Tabellen hinaus keine Ankäufe gab, ihrerseits außerhalb der Tabelle erfolgte, führt ebenfalls nicht zur Unvollständigkeit der tabellarisch erteilten Auskunft, da diese somit abschließend ist. Soweit Ankäufe nicht erfolgt sind, können weder Mengenangaben noch Preise genannt werden. Ein etwaiger Verdacht, dass die erteilte Auskunft unvollständig oder unrichtig ist, kann einen Anspruch auf in weitergehende Auskunft nicht begründen, sondern führt lediglich zu einem Anspruch auf eidesstattliche Versicherung der Vollständigkeit der erteilten Auskunft. Wesentlich für die Erfüllung des Auskunftsanspruchs ist die – hier erfolgte – Erklärung des Auskunftsschuldners, dass die Auskunft vollständig ist (BGH, Urteil vom 3.9.2020 – III ZR 136/18, NJW 2021, S. 765 (768)). Soweit die Schuldnerin mitgeteilt hat, dass über die erteilten Informationen hinaus keine weiteren Ankäufe erfolgt sind, erschließt sich die Notwendigkeit oder gar Möglichkeit einer darüber hinausgehenden Zuordnung zu etwaigen Einzelpreisen nicht.
h. Soweit die Gläubigerin moniert, ihr sei die Auskunft nicht in einer Excel-Datei zur Verfügung gestellt worden, kann dahinstehen, ob hierauf materiell-rechtlich ein Anspruch bestünde. Jedenfalls in dem im Rahmen des Zwangsvollstreckungsverfahrens maßgeblichen Tenor ist diese Form der Auskunftserteilung nicht enthalten. Dem Gläubiger ist es verwehrt, im Verfahren der Zwangsvollstreckung allein deshalb Auskünfte zu erzwingen, weil der Schuldner materiell-rechtlich zu deren Erteilung verpflichtet ist (BGH, Beschluss vom 07.11.2024, I ZB 31/24, WM 2025, S. 42 (44)).
III.
Die Kostenentscheidung folgt aus §§ 891, 91 Abs. 1 ZPO. Die Voraussetzungen für die Zulassung der Rechtsbeschwerde (§ 574 Abs. 2 ZPO) liegen nicht vor.
Die Festsetzung eines Streitwerts gemäß § 63 Abs. 2 GKG ist nicht geboten, weil keine Gerichtsgebühren anfallen (vgl. Nr. 2121 KV-GKG).
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