Beide Großeltern sterben beim Autounfall – die Versicherung zahlt nicht. Vor dem Oberlandesgericht Schleswig-Holstein fordert der Enkel nun Hinterbliebenengeld für sein angeblich außergewöhnliches Näheverhältnis. Doch widersprüchliche Zeugenaussagen zur Kontaktintensität rücken die Frage ins Zentrum, ob die Bindung tatsächlich weit über das gewöhnliche Maß hinausging.
Übersicht
- 1 Das Wichtigste im Überblick
- 2 Hinterbliebenengeld für Enkel: Nur bei außergewöhnlicher Nähebeziehung
- 3 Wann ist die Enkel-Großeltern-Bindung ein rechtlicher Sonderfall?
- 4 Warum widersprüchliche Zeugenaussagen das Hinterbliebenengeld verhinderten
- 5 10.020 Euro Streitwert: Kostenrisiken bei aussichtsloser Berufung
- 6 Experten Kommentar
- 7 Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- 7.1 Bekomme ich Hinterbliebenengeld, wenn ich jahrelang im selben Haushalt mit meinen Großeltern lebte?
- 7.2 Warum erhalten meine Eltern die Entschädigung, während ich als Enkel meine enge Bindung beweisen muss?
- 7.3 Welche schriftlichen Belege helfen mir, eine außergewöhnliche Nähe zu meinen verstorbenen Großeltern rechtssicher nachzuweisen?
- 7.4 Hafte ich für die vollen Prozesskosten, wenn meine Zeugen zur Häufigkeit der Besuche widersprüchlich aussagen?
- 7.5 Kann ich durch die Rücknahme der Berufung Gerichtskosten sparen, wenn das Gericht meinen Anspruch ablehnt?
- 8 Das vorliegende Urteil

Zum vorliegenden Urteilstext springen: 7 U 81/25
Das Wichtigste im Überblick
- Gericht: OLG Schleswig-Holstein
- Datum: 10.02.2026
- Aktenzeichen: 7 U 81/25
- Verfahren: Berufung gegen Klageabweisung
- Rechtsbereiche: Verkehrsrecht, Schadensersatzrecht
- Streitwert: 10.020,00 €
- Relevant für: Enkelkinder, Hinterbliebene, Versicherungen
Enkel erhalten Hinterbliebenengeld nur bei einer außergewöhnlich engen Bindung über das normale Maß hinaus.
- Ein gewöhnliches Großeltern-Enkel-Verhältnis reicht für einen Geldanspruch rechtlich nicht aus.
- Betroffene müssen eine außergewöhnliche Nähe wie bei engsten Familienmitgliedern beweisen.
- Der Kläger verliert den Prozess und erhält kein Geld für sein seelisches Leid.
- Wöchentliche Besuche und normaler Kontakt begründen keine Ausnahme für Enkelkinder.
- Das Gericht weist die Berufung wegen mangelnder Erfolgsaussicht direkt zurück.
Hinterbliebenengeld für Enkel: Nur bei außergewöhnlicher Nähebeziehung
Die rechtlichen Anspruchsgrundlagen für einen solchen Ausgleich sind § 844 Abs. 3 BGB in Verbindung mit § 10 Abs. 3 StVG. Dem betroffenen Hinterbliebenen steht dabei eine Geldentschädigung für sein erlittenes seelisches Leid zu. Eine zwingende Voraussetzung für diese Zahlung ist ein besonderes persönliches Näheverhältnis zu dem Getöteten genau zum Zeitpunkt der Verletzung. Für die Beurteilung sind die Intensität und die Dauer des seelischen Leids sowie die konkrete Qualität der tatsächlich gelebten Beziehung die maßgeblichen Kriterien.
Genau diese Frage musste das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein klären.
Nach dem tragischen Unfalltod seiner Großeltern am 07.07.2021 forderte ein Enkel von einer Kfz-Haftpflichtversicherung eine finanzielle Entschädigung. Das Gericht wies die Berufung ab, womit die Klage des Mannes auf das Hinterbliebenengeld einstimmig und ohne mündliche Verhandlung endgültig abgewiesen bleibt. Der Betroffene verlangte jeweils 5.000 Euro für jeden verstorbenen Großelternteil sowie eine allgemeine Kostenpauschale in Höhe von 20 Euro. Die Versicherung hatte eine Auszahlung bereits mit einem Schreiben vom 25.03.2023 verweigert, da aus ihrer Sicht kein rechtliches Näheverhältnis bestand. Der Senat verhandelte diesen Fall unter dem Aktenzeichen 7 U 81/25.

Wann ist die Enkel-Großeltern-Bindung ein rechtlicher Sonderfall?
Eine besondere persönliche Nähebeziehung wird bei anderen als den gesetzlich in § 844 Abs. 3 S. 2 BGB genannten Personen nur in absoluten Ausnahmefällen angenommen. Der Grundsatz lautet: Je entfernter der Verwandtschaftsgrad ist, desto umfangreicher muss eine geschädigte Person das bestehende Näheverhältnis darlegen. Die angemessene Geldentschädigung schätzen die Richter dann wertend gemäß § 287 ZPO. Das bedeutet konkret: Da sich seelischer Schmerz nicht mathematisch exakt berechnen lässt, darf das Gericht die Höhe der Entschädigung nach freiem Ermessen festlegen. Ein gewöhnliches familiäres Großeltern-Enkel-Verhältnis reicht für den strengen gesetzlichen Anspruch allein nicht aus.
Praxis-Hürde: Beweislast bei Enkelkindern
Anders als bei Ehegatten oder Kindern wird bei Enkeln kein automatisches Näheverhältnis vermutet. Der entscheidende Punkt für Ihren Erfolg ist der Nachweis, dass die Bindung deutlich über das übliche familiäre Maß hinausging. Das Urteil verdeutlicht, dass rein emotionale Verbundenheit und regelmäßige Besuche im Erwachsenenalter für diesen rechtlichen Ausnahmefall meist nicht ausreichen.
Im vorliegenden Prozess zeigte sich diese Anforderung an konkreten Details:
Der Enkel trug in dem Verfahren vor, dass die Beziehung zu den Verunglückten bereits in seinem Kindesalter begonnen habe und insgesamt 36 Jahre andauerte. Er betonte, dass dieses Verhältnis sogar deutlich enger gewesen sei als die familiäre Bindung zu seinen eigenen Eltern. Um seine tiefe Verbundenheit zu beweisen, schilderte er einen nahezu täglichen Kontakt sowie zwei- bis dreimal wöchentliche Besuche bei den Großeltern. Als Beleg für sein erhebliches seelisches Leid führte der Mann zudem an, dass er sich lebhaft an die Stimmen und an die Gespräche der Verstorbenen erinnere und deren Grab regelmäßig besuche.
Interessant in diesem Fall ist der familiäre Kontext: Die Mutter des Betroffenen, die im Prozess als Zeugin M. auftrat, hatte wegen des Verlusts ihrer Mutter und ihres Stiefvaters bereits jeweils 10.000 Euro von der Versicherung erhalten. Dies hatte das Landgericht Itzehoe in einem separaten Verfahren unter dem Aktenzeichen 7 O 269/22 zugunsten der Frau entschieden.
Warum widersprüchliche Zeugenaussagen das Hinterbliebenengeld verhinderten
Ein regelmäßiger Umgang und eine emotionale Unterstützung im Erwachsenenalter begründen aus rechtlicher Sicht noch keinen Ausnahmefall. Fehlen handfeste Indizien, lässt sich das familiäre Verhältnis nicht mit den besonders engen, in § 844 Abs. 3 S. 2 BGB genannten Verwandtschaftsverhältnissen vergleichbar machen. Treten in einem Verfahren zudem Widersprüche bei den Zeugenaussagen zur Kontakthäufigkeit auf, schwächt dies den Nachweis einer besonderen Nähe erheblich.
Ein Fall aus dem Jahr 2026 macht deutlich, wie das in der Praxis aussieht:
Widersprüche bei der Kontaktintensität
Während der Enkel vor Gericht von einem fast täglichen Kontakt sprach, offenbarte sich bei der Vernehmung der Mutter ein entscheidender Widerspruch. Die Zeugin gab lediglich regelmäßige wöchentliche Besuche zu Protokoll. Das Gericht sah in diesen Divergenzen keine hinreichende Grundlage, um die rechtliche Schwelle für ein besonderes persönliches Näheverhältnis als überschritten anzusehen.
Achtung Falle: Widersprüchliche Zeugenaussagen
Der Fall kippte hier an der mangelnden Übereinstimmung der Schilderungen. Während der Kläger einen täglichen Kontakt behauptete, nannte die wichtigste Zeugin lediglich wöchentliche Besuche. Wenn Sie eine ähnliche Klage erwägen, müssen die Angaben zur Kontaktintensität zwischen Ihnen und Ihren Zeugen absolut deckungsgleich sein, da Abweichungen die Glaubwürdigkeit des gesamten Näheverhältnisses zerstören.
Warum bloße Besuche kein enges Näheverhältnis beweisen
Das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein bestätigte aus diesen Gründen die vorherige Klageabweisung durch das Landgericht vom 04.09.2025. Die Richter am Oberlandesgericht fällten ihre Entscheidung einstimmig durch einen Beschluss gemäß § 522 Abs. 2 ZPO, sodass eine erneute mündliche Verhandlung rechtlich nicht mehr erforderlich war. Das bedeutet konkret: Die Richter stuften die Berufung des Enkels als derart offensichtlich aussichtslos ein, dass sie den Fall in einem vereinfachten Verfahren direkt per schriftlichem Beschluss abweisen durften.
10.020 Euro Streitwert: Kostenrisiken bei aussichtsloser Berufung
Die exakte Höhe einer gerichtlichen Geldentschädigung orientiert sich indiziell immer auch an einem Grad des Verschuldens des Unfallverursachers. Der festgesetzte Streitwert für ein solches juristisches Verfahren umfasst dabei die geforderte Entschädigungssumme sowie alle geltend gemachten Nebenforderungen. Das bedeutet konkret: Der Streitwert ist nicht der Betrag, den der Kläger am Ende erhält, sondern lediglich der Rechenwert, aus dem sich die fälligen Anwalts- und Gerichtsgebühren ableiten.
Die finanzielle Dimension dieses Rechtsstreits stellte sich wie folgt dar:
Der Senat setzte den Streitwert auf 10.020 Euro fest. Diese Summe ergibt sich aus der Forderung nach einem Hinterbliebenengeld in Höhe von mindestens 10.000 Euro zuzüglich einer allgemeinen Kostenpauschale in Höhe von 20 Euro. Zusätzlich forderte der Betroffene vorgerichtlich entstandene Rechtsanwaltskosten in Höhe von 1.054,10 Euro ein. Das Gericht gewährte dem Mann abschließend eine dreiwöchige Frist zur schriftlichen Stellungnahme. Für Sie in eigener Sache bedeutet das: Erhalten Sie in einem Berufungsverfahren einen solchen richterlichen Hinweisbeschluss mit Fristsetzung, müssen Sie sofort entscheiden. Nehmen Sie die offensichtlich aussichtslose Berufung innerhalb dieser drei Wochen aktiv zurück, sparen Sie zwei Drittel der anfallenden Gerichtsgebühren. Tun Sie nichts und lassen die Frist untätig verstreichen, wird das Gericht Ihre Berufung formell und kostenpflichtig zurückweisen – Sie tragen dann die vollen Verfahrenskosten.
Fazit: Enkel brauchen harte Beweise für Schmerzensgeld
Die Entscheidung des Oberlandesgerichts Schleswig-Holstein hat eine starke Signalwirkung und bestätigt die harte Linie der Gerichte: Das Urteil ist kein Einzelfall, sondern wendet die gesetzlichen Ausnahmeregeln für weiter entfernte Verwandte extrem streng an. Ein Hinterbliebenengeld für Enkel ist gerichtlich praktisch ausgeschlossen, wenn Sie lediglich eine normale, wenn auch liebevolle familiäre Beziehung nachweisen können.
Für Sie bedeutet das konkret: Verklagen Sie eine Haftpflichtversicherung nach dem Unfalltod Ihrer Großeltern nur dann, wenn Sie eine absolut außergewöhnliche Lebensgemeinschaft handfest beweisen können. Verlassen Sie sich dabei niemals auf Zeugenaussagen von Familienmitgliedern. Sammeln Sie zwingend schon vor der Klageerhebung objektive und schriftliche Belege – beispielsweise gemeinsame Mietverträge, umfassende Vorsorgevollmachten oder ärztliche Dokumentationen über Ihre tägliche, intensive Pflegeleistung. Können Sie diese harten Fakten nicht vorlegen, sollten Sie von einer Klage absehen, um hohe Prozesskosten zu vermeiden.
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Experten Kommentar
Oft klagen abgewiesene Angehörige zweiter Linie nicht aus Geldgier, sondern aus einem verletzten Gerechtigkeitsempfinden heraus, weil engere Verwandte ihre Zahlungen längst erhalten haben. Die pauschale Ablehnung fühlt sich für Enkel dann wie eine juristische Abwertung ihrer ganz persönlichen Trauer an. Genau dieses emotionale Unverständnis nutzen die Versicherer eiskalt aus und lehnen außergerichtlich erst einmal alles konsequent ab.
Ich rate in solchen aufgeladenen Situationen dringend zu einer extrem nüchternen Prüfung vor der Klageerhebung. Wer vor Gericht zieht, um familiäre Liebe zu beweisen, reißt bei den strengen Zeugenbefragungen meist nur alte Wunden auf. Ersparen Sie sich und Ihrer Familie diesen psychologisch zermürbenden Kampf, wenn Sie nicht tatsächlich jahrelang im selben Haushalt gelebt haben.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Bekomme ich Hinterbliebenengeld, wenn ich jahrelang im selben Haushalt mit meinen Großeltern lebte?
JA, ein jahrelanger gemeinsamer Haushalt ist ein sehr starkes Argument für den Erhalt von Hinterbliebenengeld, da dies die geforderte außergewöhnliche Nähebeziehung zwischen Enkeln und Großeltern objektiv belegt. Dieser Umstand hebt das soziale Verhältnis deutlich über das übliche familiäre Maß hinaus und erfüllt somit die strengen rechtlichen Voraussetzungen.
Der gesetzliche Anspruch gemäß § 844 Abs. 3 BGB setzt voraus, dass zum Zeitpunkt des Todes ein besonderes persönliches Näheverhältnis, also eine überdurchschnittlich enge soziale Bindung, vorlag. Während dieses bei Ehegatten gesetzlich vermutet wird, müssen Enkel eine absolut außergewöhnliche Lebensgemeinschaft aktiv belegen, um Entschädigungen für ihr seelisches Leid zu erhalten. Ein gemeinsamer Wohnsitz dient als zentrales Indiz, sofern er durch Fakten wie Meldebescheinigungen oder Mietverträge nachweisbar ist und über bloße Besuche hinausgeht. Gerichte fordern diesen Nachweis zwingend, da rein mündliche Schilderungen oft nicht ausreichen, um die hohen rechtlichen Hürden für entferntere Verwandte erfolgreich zu überspringen.
Die Entschädigung kann trotz gemeinsamen Haushalts entfallen, wenn das Zusammenleben lediglich wirtschaftliche Zwecke verfolgte oder keine tatsächliche emotionale Beistandsgemeinschaft bestand. Auch eine nur sehr kurze Dauer des gemeinsamen Wohnens unmittelbar vor dem Unfalltod könnte die Anerkennung einer rechtlich relevanten Nähebeziehung verhindern.
Warum erhalten meine Eltern die Entschädigung, während ich als Enkel meine enge Bindung beweisen muss?
Der Grund liegt in der gesetzlichen Vermutungsregel des § 844 Abs. 3 S. 2 BGB, die ausschließlich engste Angehörige wie Ehegatten, Eltern oder Kinder privilegiert. Das Gesetz unterstellt bei diesem Personenkreis unwiderlegbar ein tiefes Näheverhältnis, während Sie als Enkel aufgrund der entfernteren Verwandtschaft die volle Beweislast für eine außergewöhnliche Bindung tragen. Damit entfällt für Ihre Eltern die Notwendigkeit einer aufwendigen Beweisführung, die für entferntere Verwandte rechtlich zwingend vorgeschrieben ist.
Das Hinterbliebenengeld dient dem Ausgleich seelischen Leids, wobei der Gesetzgeber bei direkten Angehörigen pauschal annimmt, dass ein schwerer Schmerz aufgrund der sozialen Rolle zwangsläufig eintritt. Da dieser Personenkreis im Gesetz explizit genannt wird, erhalten sie die Entschädigung meist ohne eine detaillierte Prüfung der tatsächlichen Beziehungsqualität im konkreten Einzelfall. Enkelkinder hingegen müssen aktiv beweisen, dass ihre Bindung weit über das übliche familiäre Maß hinausging und in ihrer Intensität faktisch einer Eltern-Kind-Beziehung gleichzusetzen war. In der juristischen Praxis scheitert dieser Nachweis häufig daran, dass einfache Besuche oder regelmäßige Telefonate im Erwachsenenalter den hohen rechtlichen Anforderungen an eine außergewöhnliche Nähebeziehung nicht genügen.
Ein rechtlicher Erfolg ist für Enkel nur dann wahrscheinlich, wenn objektive Indizien wie eine dauerhafte häusliche Gemeinschaft oder eine nachweisbare, intensive Pflegeleistung zum Todeszeitpunkt vorliegen. Ohne diese handfesten Beweise für eine besondere Lebensgemeinschaft wird das empfundene seelische Leid rechtlich nicht als entschädigungspflichtiger Ausnahmefall anerkannt.
Welche schriftlichen Belege helfen mir, eine außergewöhnliche Nähe zu meinen verstorbenen Großeltern rechtssicher nachzuweisen?
Sie benötigen rechtlich belastbare Dokumente wie gemeinsame Mietverträge, umfassende Vorsorgevollmachten oder ärztliche Bescheinigungen über erbrachte Pflegeleistungen, um die Bindung zu belegen. Um Hinterbliebenengeld gemäß § 844 Abs. 3 BGB zu erhalten, müssen Sie eine außergewöhnliche Nähe durch objektive, schriftliche Nachweise belegen.
Die Rechtsprechung stellt bei Enkelkindern extrem hohe Anforderungen an den Nachweis eines besonderen Näheverhältnisses, da dieses im Gegensatz zu Ehegatten oder Kindern nicht gesetzlich vermutet wird. Rein emotionale Schilderungen oder widersprüchliche Zeugenaussagen zur Kontakthäufigkeit reichen vor Gericht meist nicht aus, um einen Entschädigungsanspruch rechtssicher zu begründen. Belastbare Belege sind daher formelle Papiere, die eine wirtschaftliche oder existenzielle Verflechtung dokumentieren, wie etwa die namentliche Eintragung als Mitmieter oder die schriftliche Übertragung weitreichender Entscheidungsbefugnisse. Auch ärztliche Dokumentationen, die eine kontinuierliche und intensive Pflege durch den Enkel belegen, können die erforderliche Qualität der gelebten Beziehung objektivieren.
Alltagsdokumente wie private Urlaubsfotos, einfache Grußkarten oder digitale Chatverläufe genügen in der Regel nicht, um die hohe juristische Schwelle einer außergewöhnlichen Bindung zu überschreiten. Solche Belege dokumentieren zwar eine familiäre Zuneigung, beweisen aber keine rechtlich relevante Schicksalsgemeinschaft für eine Entschädigungszahlung.
Hafte ich für die vollen Prozesskosten, wenn meine Zeugen zur Häufigkeit der Besuche widersprüchlich aussagen?
JA, wenn Ihre Zeugen widersprüchliche Angaben zur Kontaktintensität machen, wird Ihre Klage abgewiesen und Sie müssen sämtliche Prozesskosten aus dem vollen Streitwert allein tragen. Solche Unstimmigkeiten führen dazu, dass das Gericht das erforderliche besondere Näheverhältnis als nicht bewiesen ansieht und Sie somit als unterliegende Partei gemäß § 91 ZPO alle Gebühren übernehmen.
Der rechtliche Grund liegt in der strengen Beweislast für ein Hinterbliebenengeld gemäß § 844 Abs. 3 BGB, das bei entfernteren Verwandten wie Enkeln nur in absoluten Ausnahmefällen gewährt wird. Wenn Aussagen von Familienmitgliedern zur Häufigkeit der Besuche voneinander abweichen, etwa bei der Angabe von täglichen gegenüber lediglich wöchentlichen Kontakten, erschüttert dies die Glaubwürdigkeit des gesamten Sachvortrags nachhaltig. Die Richter entscheiden in einem solchen Fall nach freiem Ermessen gemäß § 287 ZPO, dass die Schwelle zu einer außergewöhnlich engen Lebensgemeinschaft nicht überschritten ist. In der Folge wird der Prozess verloren gegeben, was die Verpflichtung zur Zahlung der eigenen sowie der gegnerischen Anwaltskosten und der vollen Gerichtsgebühren auslöst.
Eine begrenzte Kostenminderung tritt ein, wenn Sie eine aussichtslose Berufung nach einem Hinweisbeschluss gemäß § 522 Abs. 2 ZPO innerhalb der Frist aktiv zurücknehmen. Dadurch reduzieren sich die Gerichtsgebühren um zwei Drittel, während bei einer formellen Abweisung die volle finanzielle Belastung bestehen bleibt.
Kann ich durch die Rücknahme der Berufung Gerichtskosten sparen, wenn das Gericht meinen Anspruch ablehnt?
JA. Durch die aktive Rücknahme Ihrer Berufung nach einem negativen Hinweisbeschluss des Gerichts reduzieren Sie die anfallenden Gerichtsgebühren um exakt zwei Drittel der ursprünglichen Summe. Diese prozessuale Entscheidung ermöglicht eine erhebliche Schadensbegrenzung, bevor das Gericht eine förmliche und kostenintensive Entscheidung durch einen Zurückweisungsbeschluss trifft.
Wenn ein Gericht beabsichtigt, Ihre Berufung gemäß § 522 Abs. 2 ZPO wegen offensichtlicher Aussichtslosigkeit ohne mündliche Verhandlung zurückzuweisen, muss es Ihnen vorab einen entsprechenden Hinweisbeschluss zustellen. Innerhalb der darin gesetzten Frist von üblicherweise drei Wochen haben Sie die Möglichkeit, das Rechtsmittel eigenständig zurückzunehmen, statt eine endgültige gerichtliche Entscheidung abzuwarten. Die Kostenersparnis resultiert aus dem Gerichtskostengesetz (GKG), welches bei einer Rücknahme der Berufung die Gebührenlast von regulär vier Einheiten auf nur noch 1,2 Einheiten absenkt. Lassen Sie diese Frist hingegen ungenutzt verstreichen, weist das Gericht die Berufung durch Beschluss zurück, wodurch die vollen vier Gebühreneinheiten sowie die Kosten der Gegenseite fällig werden. Eine rechtzeitige Reaktion ist daher zwingend erforderlich, um das finanzielle Gesamtrisiko eines bereits verlorenen Prozesses im letzten Moment noch wirksam zu minimieren.
Beachten Sie jedoch, dass sich diese spezifische Ersparnis ausschließlich auf die staatlichen Gerichtskosten bezieht und nicht die außergerichtlichen Anwaltskosten der Gegenseite umfasst. Diese müssen Sie nach einer Rücknahme der Berufung in der Regel dennoch vollständig übernehmen.
Hinweis/Disclaimer: Teile der Inhalte dieses Beitrags, einschließlich der FAQ, wurden unter Einsatz von Systemen künstlicher Intelligenz erstellt oder überarbeitet und anschließend redaktionell geprüft. Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen unverbindlichen Information und stellen keine Rechtsberatung im Einzelfall dar und können eine solche auch nicht ersetzen. Trotz sorgfältiger Bearbeitung kann keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität übernommen werden. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigene Verantwortung; eine Haftung wird im gesetzlich zulässigen Umfang ausgeschlossen.
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Das vorliegende Urteil
Oberlandesgericht Schleswig-Holstein – Az.: 7 U 81/25 – Beschluss vom 10.02.2026
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